GMW 14698 Kratzfestigkeit organischer Beschichtungen und selbstklebender Folien

GMW 14698 Kratzfestigkeit organischer Beschichtungen und selbstklebender Folien

Die von General Motors Worldwide (GMW) entwickelte Norm „GMW 14698 Kratzfestigkeit organischer Beschichtungen und Selbstklebefolien“ ist ein technischer Prüfstandard zur Bewertung der Kratzfestigkeit organischer Beschichtungen und Selbstklebefolien auf Metall- oder Polymeroberflächen. Diese Norm ist insbesondere für Automobil-Innen- und Außenkomponenten relevant, bei denen die Erhaltung des Oberflächenbildes und der Haltbarkeit von Bedeutung sind.

GMW 14698 Kratzfestigkeit organischer Beschichtungen und selbstklebender Folien

Der Hauptzweck der Norm GMW 14698 besteht darin, die Kratzfestigkeit beschichteter oder folienüberzogener Oberflächen unter festgelegten Testbedingungen zu bestimmen. Bei Automobilen können Oberflächen aus folgenden Gründen verkratzt werden:

  • Fingernägel und harte Gegenstände
  • Werkzeuge, die während der Montage verwendet wurden
  • Passagierkontakt
  • Reinigungsgeräte
  • Proximalkomponenten
  • Handhabung während der Produktion
  • Normale Fahrzeugnutzung

Eine Oberfläche kann nach dem Verkratzen zwar ihre strukturelle Funktionsfähigkeit behalten, jedoch sichtbare Spuren, Glanzveränderungen oder andere kosmetische Mängel aufweisen. Daher ist die Kratzfestigkeit ein entscheidender Aspekt der Oberflächenqualitätskontrolle im Automobilbereich. Die Norm GMW 14698 gilt für ein- und mehrschichtige Systeme auf metallischen oder polymeren Substraten sowie für selbstklebende Folien.

Typische Anwendungsgebiete dieser Norm sind beschichtete oder filmbeschichtete Automobilbauteile wie zum Beispiel:

  • Innenverkleidungen
  • Komponenten der Instrumententafel
  • Türverkleidung
  • Mittelkonsolen
  • Dekorative Bodenbeläge
  • Beschichtete Kunststoffkomponenten
  • Lackierte Metallkomponenten
  • Dekorative Folien
  • Selbstklebende Folien
  • Andere beschichtete Polymer- oder Metalloberflächen

Daher ist dieser Test besonders nützlich für Bauteile, bei denen das visuelle Erscheinungsbild eine wichtige Qualitätsanforderung darstellt.

Die Norm GMW 14698 verwendet ein kontrolliertes Ritzverfahren, um eine definierte Markierung auf der Prüfoberfläche zu erzeugen. Der entstandene Kratzer wird anschließend ausgewertet, um die Kratzfestigkeit des Materials zu bestimmen. Eine gängige Konfiguration ist der Mehrfinger-/Fünffinger-Stiefeltest, bei dem mehrere Stiefeleinsätze mit unterschiedlichen Kräften belastet werden können. Die für die Norm GMW 14698 benötigte Ausrüstung ist kommerziell erhältlich und umfasst Stiefeleinsätze aus Wolframkarbid sowie spezifische Belastungsanordnungen. Ziel ist es nicht nur festzustellen, ob ein Kratzer vorhanden ist, sondern zu ermitteln, wie die Oberfläche auf eine kontrollierte mechanische Belastung reagiert.

Es ist sinnvoll, zwischen Kratzfestigkeit und Abriebfestigkeit zu unterscheiden. Ein Kratzer ist eine deutlich sichtbare Oberflächenbeschädigung, die das Eindringen in die Beschichtung oder das Substrat oder deren dauerhafte Verformung zur Folge haben kann. Abrieb hingegen ist in der Regel eine flachere oder weniger starke Oberflächenveränderung, die aber dennoch gut sichtbar sein kann, da sie das Erscheinungsbild der Oberfläche verändert. Beides ist für Automobilbauteile wichtig. Ein Material kann eine gute Beständigkeit gegen tiefe Kratzer aufweisen und dennoch sichtbare Oberflächenkratzer zeigen.

Die Norm GMW 14698 umfasst mehrere Testmethoden und ist nicht auf eine einzige Kratztestkonfiguration beschränkt:

  • Methode A Härteprüfung mittels Stift-/Nagelritzverfahren: Bestimmt die Kratzfestigkeit einer Beschichtung oder Selbstklebefolie mithilfe eines speziellen Ritzwerkzeugs. Dieses Verfahren ist eine relativ einfache, manuelle Methode zur Beurteilung der Kratzfestigkeit. Die Oberfläche wird unter definierten Bedingungen mit einem speziellen Werkzeug geritzt, und die entstandene Ritzspur wird ausgewertet. Es eignet sich besonders für:
    • Organische Beschichtungen
    • Lackierte Oberflächen
    • Selbstklebende Folien
    • Dekorative Oberflächen für Fahrzeuge
  • Methode B Fünf-Arm-/Fünf-Finger-Ritztest: Bewertet die Ritzfestigkeit mithilfe mehrerer unabhängig belasteter Ritzfinger. Dies ist wohl die bekannteste Methode nach GMW 14698. Sie verwendet ein Fünf-Finger-Ritzprüfgerät mit unabhängig belasteten Armen. Jeder Finger übt eine kontrollierte Kraft auf die Probe aus, während sich die Probe bzw. die Ritzvorrichtung linear bewegt. Eine typische kommerzielle Konfiguration umfasst:
    • Fünf zerkratzte Finger
    • 1,0 mm halbkugelförmige Kratzspitzen
    • Verstellbarer Probenhalter
    • Definierte Lastgewichte
    • Lineare Probenbewegung

Diese Methode eignet sich besonders gut zum Vergleich von Kunststoffen, lackierten und beschichteten Oberflächen im Automobilbereich.

  • Methode C Zusätzliches Kratzverfahren: Wird für spezielle Beschichtungs-/Filmanwendungen und Bewertungsanforderungen verwendet.

Die Norm GMW 14698 ist wichtig, da Fahrzeugoberflächen während ihrer gesamten Lebensdauer wiederholter mechanischer Belastung ausgesetzt sind. Eine Beschichtung mit geringer Kratzfestigkeit kann folgende Folgen haben:

  • Unansehnliches Erscheinungsbild: Die Kratzer werden von den Fahrzeuginsassen bemerkt.
  • Kundenunzufriedenheit: Sichtbare Oberflächenschäden können als schlechte Qualität interpretiert werden.
  • Vorzeitige Beschädigung der Beschichtung: Wiederholte Kratzer können die Oberfläche allmählich beschädigen.
  • Fertigungsprobleme: Bauteile können während der Montage oder des Transports beschädigt werden.
  • Materialauswahlprobleme: Verschiedene Beschichtungen und Folien können objektiv verglichen werden.
  • Gewährleistungsrisiken: Eine mangelhafte Oberflächenbeständigkeit kann zu Beanstandungen hinsichtlich des Aussehens führen.

Daher ist die Ritzprüfung ein entscheidender Bestandteil der Materialprüfung in der Automobilindustrie, der Lieferantenqualifizierung und der Qualitätskontrolle.

Die Norm GMW 14698 gehört zu einer umfassenderen Familie von Prüfverfahren für die Oberflächenbeständigkeit im Automobilbereich. Zum Beispiel:

  • GMW 14698 Kratzfestigkeit von organischen Beschichtungen und selbstklebenden Folien.
  • GMN 3943 Kratz- und Abriebfestigkeit von Kunststoffen (ersetzt durch den Standard GMW 14698 für neue Programme)
  • GMW 14688 Kratzfestigkeitsprüfung von Oberflächen/Materialien im Automobilbereich.
  • Ford FLTM BO 162-01 Kratz- und abriebfest.
  • Ford FLTM BN 108-13 Vorheriges Ford-Verfahren zur Kratzfestigkeit
  • BMW GS 97034 Oberflächenkratztests für Kraftfahrzeuge
  • VW PV 3952 Oberflächenkratzfestigkeit

Der GMW 14698-Standard ist auch unter den in der Norm ISO/TR 21555 genannten Methoden zur Bestimmung der Härte und des Verschleißes von Automobilbeschichtungen aufgeführt. Diese Norm bietet einen Überblick über Methoden zur Bewertung der Härte und Verschleißfestigkeit von Beschichtungen.

Bei Fahrzeuginnenräumen ist Kratzfestigkeit besonders wichtig, da die Bauteile häufig berührt oder angefasst werden. Beispiele hierfür sind:

  • Türgriffe und umlaufende Zierleisten
  • Oberflächen der Mittelkonsole
  • Zierflächen der Instrumententafel
  • Schlüsselkreise
  • Handschuhfachbereiche
  • Polsterung für Sitze
  • Dekorative Folien

Ein Material, das im Neuzustand einwandfrei aussieht, kann nach wiederholter Beanspruchung sein Aussehen verlieren. Die Norm GMW 14698 bietet eine standardisierte Methode zur Bewertung dieses Aspekts der Oberflächenbeständigkeit.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Norm GMW 14698 ein Prüfverfahren zur Bewertung der Kratzfestigkeit beschichteter metallischer oder polymerer Oberflächen sowie selbstklebender Folien umfasst. Ihre Bedeutung geht weit über die reine Messung der Kratzfestigkeit einer Oberfläche hinaus. Der Test unterstützt die Materialauswahl, die Beschichtungsentwicklung, die Lieferantenqualifizierung, die Fertigungsqualitätskontrolle und die Langlebigkeit des Erscheinungsbilds von Automobilen.

Dieser Standard ist auch deshalb von historischer Bedeutung, weil er den GMN 3943-Standard für neue Programme von General Motors ersetzte und die Bewertung der Kratzfestigkeit in das neuere GMW-Verfahren integrierte.

Seit vielen Jahren versteht unser Unternehmen mit seinen kompetenten und erfahrenen Mitarbeitern die Bedürfnisse seiner Kunden, bietet ihnen die benötigten fortschrittlichen Prüfdienstleistungen und unterstützt sie beim Aufbau, der Implementierung und der Optimierung von Managementsystemen. In diesem Rahmen bieten wir auch Prüfdienstleistungen gemäß der Norm GMW 14698 an.

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