VW 01088 Werkstückkanten - Definitionen, Zeichnungsangaben

VW 01088 Werkstückkanten - Definitionen, Zeichnungsangaben

Die von Volkswagen entwickelte Norm „ VW 01088 Werkstückkanten – Definitionen, Zeichnungsspezifikationen“ definiert Kantenbeschaffenheiten und erläutert sprachunabhängige Regeln für die Darstellung von Kanten mit mehrdeutigen Formen in technischen Zeichnungen. Sie beschreibt außerdem die Beziehungen und Abmessungen der für diese Merkmale verwendeten grafischen Symbole.

VW 01088 Werkstückkanten - Definitionen, Zeichnungsangaben

Für die Zwecke dieser Norm gelten die folgenden Begriffe und Definitionen:

  • Eine Werkstückkante stellt den Schnittpunkt zweier Flächen dar. Details sind im Normanhang (Anhang C) enthalten.
  • Unter Kantenbeschaffenheit versteht man die geometrische Form und Größe einer Werkstückkante.
  • Unter einer Werkstückkante ungewisser Form versteht man eine Werkstückkante, deren Form nicht eindeutig festgelegt ist.
  • Als scharfkantig wird die Außen- bzw. Innenkante des Werkstücks bezeichnet, deren Abweichung von der idealen geometrischen Form gegen Null geht.
  • Als Grate bezeichnet man den nach einer mechanischen Bearbeitung oder Umformung verbleibenden Materialüberstand, der außerhalb der idealen geometrischen Form der Außenkante liegt.
  • Unter Rundlauf versteht man die Abweichung der Außen- oder Innenkante eines Werkstücks von seiner idealen geometrischen Form.
  • Unter Übergang versteht man die Abweichung der Innenkante eines Werkstücks von seiner idealen geometrischen Form.

Die oben erläuterten Definitionen sind in den Abbildungen der Norm dargestellt.

Die Randbedingungen eines Werkstücks werden durch das in der Norm dargestellte grafische Symbol angegeben. Die Länge bzw. Richtung der Bezugslinie kann den zeichnerischen Gegebenheiten angepasst werden. Die Regeln für die zeichnerische Darstellung des grafischen Symbols sind im Anhang der Norm (Anhang A) enthalten.

Eigenschaften für Werkstückkanten mit geometrisch unsicherer Form ergeben sich aus:

  • Als individuelle Merkmale für eine Werkstückkante
  • Als separate Features für Werkstückkanten rund um die Werkstückkontur
  • Als Gruppenmerkmal für alle oder die meisten Werkstückkanten eines Werkstücks

Einzelne Features werden direkt einer Linie (z. B. sichtbaren Körperkanten, Bereichen mit bestimmten Bearbeitungen oder Maßbezugslinien) oder einem Punkt zugeordnet, der eine Werkstückkante parallel oder senkrecht zur Projektionsebene darstellt. Gruppen-Features werden für alle betroffenen Kanten nur einmal im Zeichenbereich der Werkstückkante oder in der Nähe des Werkstückbildes eingetragen.

Zulässige Randbedingungen werden in das Feld am Basissymbol mit dem Symbolelement (Plus) oder (Minus) bzw. (Plus/Minus) eingetragen, um die Randbedingung gemäß Tabelle festzulegen.

Das Symbolelement (Plus) ermöglicht einen Materialabtrag im Vergleich zur Idealform der Werkstückkante, also einen Grat an den Außenkanten und einen Durchgang an den Innenkanten. Das Symbolelement (Minus) erfordert einen Materialabtrag im Vergleich zur Idealform der Werkstückkante, also einen Abrieb an den Außen- und Innenkanten. Wird nur ein Symbolelement angegeben, sind Richtung und Größe des Grates bzw. Abriebs optional.

Abweichungen von der Idealform können durch die Angabe der Grat- bzw. Abriebrichtung und der Maßangaben realisiert werden. Wird eine geometrisch definierte Kantenform (z.B. 1 x 45 Grad) gewünscht, ist die Kantenform nach der Norm VW 01054 zu bemaßen.

Ist die Angabe der zulässigen Gratrichtung der Außenkante bzw. der Verschleißrichtung der Innenkante erforderlich, muss diese in den entsprechenden Feldern der Maßbezeichnung entsprechend eingetragen werden. Die Angabe der Verschleißrichtung für Übergänge an Außenkanten bzw. Innenkanten ist nicht zulässig.

Empfohlene Kantenmaße sind im Anhang der Norm (Anhang B) enthalten.

Ist die Angabe einer oberen und unteren Grenzabweichung für die Kantengröße erforderlich, müssen beide Werte, also die obere Grenzabweichung (plus) und die untere Grenzabweichung (minus) hinter den Symbolelementen angegeben werden. Ist eine bestimmte Grat- oder Verschleißrichtung erforderlich, ist die Angabe im entsprechenden Feld einzutragen. Die eingetragenen Grenzabweichungen gelten als Maximalwerte.

Kurz gesagt handelt es sich bei der Norm VW 01088 um eine interne technische Spezifikation des Volkswagen-Konzerns, die definiert, wie der Zustand von Kanten an mechanischen Teilen in technischen Zeichnungen dargestellt und angegeben werden soll. Diese Norm ist besonders wichtig bei der Konstruktion und Herstellung von Komponenten, bei denen die Kantenqualität die Funktionalität, Sicherheit oder Montagegenauigkeit beeinflusst.

Dieser Standard wird häufig in Verbindung mit anderen Volkswagen-Standards wie VW 01050 und VW 01054 verwendet, die allgemeine Zeichenpraktiken und Bemaßungen abdecken.

Unsere Organisation, die seit Jahren Unternehmen aller Branchen durch vielfältige Prüf-, Mess-, Analyse- und Bewertungstätigkeiten unterstützt, verfügt über ein starkes Mitarbeiterteam, das die weltweiten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik aufmerksam verfolgt und sich ständig weiterbildet. In diesem Zusammenhang bieten wir auch Prüfdienstleistungen gemäß der Norm „VW 01088 Werkstückkanten – Definitionen, Zeichnungsangaben“ an.

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